Unsere Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2001

Wenn Sie bisher in unserer Zeitung ("Natur-Heilkunde Journal") auch die berufspolitischen Seiten der Heilpraktiker Berufshilfe gelesen haben, wird Ihnen nicht verborgen geblieben sein, wie wir uns die Zukunft unseres Berufsstandes vorstellen, nämlich wirtschaftlich zukunftssicher, ohne Gutachterunwesen, ohne Funktionärsfilz, mit geregeltem Ausbildungsprofil und freiwilliger Weiterbildung als Qualitätssicherung.

Bislang eine Wunschvorstellung, die mir wie eine Sisyphus-Arbeit vorkommt. Besonders dann, wenn das Echo aus dem Berufsstand für alle angestrebten Reformen so mager ist. Ist das Phlegma so groß, denkt jeder nur an sich oder haben wir uns schon aufgegeben?

Die KollegInnen, denen ich neben meiner Praxisarbeit in meiner Freizeit bei Leistungsdifferenzen mit der PKV helfe, danken es mit Mitgliedschaft im Verband. Einige Leser - auch aus dem Kollegenkreis - rufen mich an und bestärken mich in meiner Arbeit. Unser Vorstand, der ebenfalls unentgeltlich seine Aufgaben wahrnimmt, unterstützt mich. Aber all das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Wir Hp müssen endlich alle begreifen, dass es für unsere wirtschaftliche Existenz "fünf vor zwölf" ist und wir folglich gemeinsam handeln müssen. Den falschen Propheten sind wir lange genug nachgelaufen. Das hat uns in die Sackgasse geführt, in der wir uns heute befinden.

So halte ich den Auftritt des VDH-Rentner-Präsidenten Scharnick als Ehrengast des 18. Hp-Tages in Düsseldorf auch nur für einen billigen PR-Gag. Er verkündete, wir Hp sollten die Verbands- und Funktionärsstreitigkeiten der Vergangenheit vergessen und nun gemeinsam zu neuen Ufern gelangen.

Die Botschaft hör ich wohl, doch mir fehlt der Glaube.

Nun bin ich ein gebranntes Kind in diesem Fall, denn mich hat er schon zu oft angelogen. Aber es bleiben dennoch Fragen offen:

  1. In wessen Auftrag hat er in Düsseldorf gesprochen?
  2. Mit welchen Funktionären will er die Zukunft gestalten?
  3. Hat er sich mit den DDH abgestimmt? Wenn ja, was ist diese Abstimmung wert?

Das erinnert mich daran, dass er seinen Mitpräsidenten ja auch versichert hatte, dass er seinem ehemaligen Funktionärskumpel Mertgen wegen kollegenfeindlicher Aktivitäten die Gutachtertätigkeit für den VDH untersagt habe. Erst kürzlich wurde mir wieder ein taufrisches Mertgen-Bösachten zugesandt mit unverändertem Briefkopf. Er dient sich nach wie vor den Versicherungen als Gutachter und Sachverständiger des VDH an. Weiß sein Präsident davon oder verstößt er gegen ein Verbot?

Sie sehen, Fragen über Fragen, nur die Dummen bei dieser Funktionärskumpelei sind stets wir Behandler an der Basis!

Der potenteste Funktionär der DDH, FDH-Präsident Zizmann, hat bisher die sich häufenden Missstände, besonders im Funktionärsbereich, noch nicht geortet. Für ihn ist die (Berufs-) Welt absolut in Ordnung. Aus unserer letzten Zeitung kennen Sie meine Antwort darauf. Ich hatte nicht erwartet nach meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass er auf meinen Brief reagieren würde. Wer lässt sich schon gern seine heile Welt zerstören?!

Aber auch hier stellt sich die Frage: Kann dieser Funktionär, der inaktiv auf rosa Wolken ruht, unsere Zukunft gestalten?

Zweifel am gemeinsamen Weg alter Funktionärscliquen in eine bessere berufliche Zukunft habe ich auch, wenn ich in der FDH-Zeitung 6/2001 lesen muss, wie der Herr "Obergutachter" und Vizepräsident die Kollegenschaft wieder einmal zu verdummen versucht. Es geht dabei um die Euro-Umstellung des GebüH. Er greift in seinem Artikel gegen den "vorauseilenden Eifer einer Gruppierung", die bereits ein GebüH in Euro erstellt habe, das dann aber "Ende des Jahres bereits wieder zum Altpapier gehören werde". Als Begründung verweist er "auf Änderungen in entsprechenden Gebührenordnungen", z.B. GOÄ. Doch was haben wir mit der GOÄ zu tun? Wir haben lediglich eine nicht amtliche Gebührenliste, und deren missglückter Änderungsversuch ist bereits Geschichte. Also werden unsere Preise in bestehender Form verbindlich bleiben. Wenn sie also bereits heute "eine Gruppierung" in Euro umrechnet, was soll sich bis Jahresfrist daran ändern? Der Euro-Kurs liegt seit Einführung der Währung fest. Bedenken wir doch, dass die D-Mark nur noch ein befristetes Zahlungsmittel, aber keine Währung mehr ist.

Solange uns der FDH diese Spitzenfunktionäre anbietet, der Eine untätig ohne Führungskonzeption, der Andere als "Obergutachter" zum Vorsitzenden der Gutachter-Kommission bestellt, also als Bock zum Gärtner gemacht, der in dieser Tätigkeit vielen KollegInnen schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat, solange kann ich keinen gemeinsamen Weg in eine problemlose Zukunft für unseren Berufsstand erkennen und traue deshalb Scharnicks Lorelei-Gesängen nicht.