Nicht nur an Erfahrung gewonnen

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 4/2003

Wenn ich behaupte, dass wir uns im Berufsstand viele Probleme selber machen, dann gehört dazu die unsägliche Unsitte einiger Funktionsträger, aus persönlicher Eitelkeit andere Kollegen zu verklagen. Davon kann ich selbst ein Lied singen. Als ich 1985 ein "Bösachten" zu lesen bekam, in dem mich ein damaliger FDH-Funktionär und "Verbandsgutachter" übelst diffamierte, so dass der Tatbestand der Beleidigung bereits erreicht war, musste ich erfahren, dass der FDH-Vizepräsident dieses auch noch als korrekt absegnete. Vor Gericht konnten ihre "Begutachtungen" allerdings nicht bestehen und wurden als "medizinisch unbedarfte Laienansicht" abqualifiziert.

Als er in einem Artikel nahezu den Jauchkübel über unseren Vorstand auskippte, haben wir ihn nicht verklagt, weil wir das ablehnen und haben nur eine Gegendarstellung verlangt und bekommen. Er allerdings nahm meine Kritik an seiner "Obergutachtertätigkeit" erneut zum Anlass, unseren Verband zu verklagen. Wiederum gewann er an Erfahrung! Dieses Funktionärsverhalten meine ich, wenn ich Reformen fordere.

In dem Artikel: "Die PKV und ihre Bösachter" haben wir leistungsunwillige Versicherungen aufgezählt, aber auch die Personen, derer sich die PKV am häufigsten bedient, auch einen Vize-Präsidenten des FDH, der sich gern als "Obergutachter" bezeichnet. Dieser empfand unseren Bericht als Kritik und klagte auf Unterlassung. Ihm gegenüber sollten wir folgende Behauptungen widerrufen und künftig unterlassen:

  1. Bei der Gutachtertätigkeit des Klägers (DH-Vize) sei ihm (W. Pieper) eine faire Beurteilung nur ganz selten begegnet, also die absolute Ausnahme.
Der Kläger habe:
  1. im Auftrag der Versicherungen parteilich "Bösachten" geschrieben,
  2. wie andere Gutachter die übelsten Pamphlete verfasst,
  3. sich durch seine Gutachtertätigkeit schuldig gemacht an dem unermesslichen wirtschaftlichen Schaden, der "uns Behandlern seit Jahrzehnten bis heute entstanden" sei.
  4. Es handele sich bei seinen Gutachten um parteiliche medizinisch unqualifizierte und polemische Beurteilungen.
  5. Er werde von der PKV vorzugsweise als Gefälligkeitsgutachter beschäftigt.
Zugestanden, so harsche Kritik kann einem Vize-Präsidenten schon die gute Laune verderben. Nun hat das Landgericht Frankfurt (AZ 3/11 0 125/02) entschieden, dass wir alle Behauptungen bis auf Punkt 3. aufrecht erhalten dürfen.

Dass der DH-Vize Autor "Übelster Pamphlete" ist, haben wir in unseren verschiedenen Artikeln nie direkt behauptet, aber wir können belegen, dass er sie als "Obergutachter" bei seinen FDH-Kollegen abgesegnet hat. Es fällt uns deshalb nicht schwer, die Behauptung in Punkt 3. zu unterlassen, bzw. sie auf den tatsächlichen Sachverhalt zu korrigieren.

In unserem Kampf gegen das Gutachterunwesen in unserem Berufsstand können wir dieses Urteil, das wir zu 5/6 gewonnen und zu 1/6 verloren haben, insgesamt als Erfolg verbuchen. Wir danken ganz besonders unserem RA Dr. Hugo Lanz, München, dem es wieder einmal gelungen ist, einem prozesswütigen Spitzenfunktionär die Grenzen aufzuzeigen. Es war dessen vierter Prozess gegen unseren Vorstand, aber diesmal hat er wenigstens zu 1/6 gewonnen! Gratulation!

Traurig machen mich dann auch Vorfälle wie: Eine betagte Kollegin, die 28 Jahre ohne jegliche Mängel ihre Praxis geführt hat, aber dazu neigt, Schulmedizin-kritische Artikel zu veröffentlichen, wird zur Nachprüfung aufgefordert. In der Überprüfung bescheinigt ihr die Präsidentin des Verbandes in einem "Gedächtnisprotokoll" die absolute Unfähigkeit und erklärt sie zur Bedrohung für die Menschheit. Damit endet eine erfolgreiche jahrelange Arbeit in der Sozialhilfe! So stelle ich mir die Mitglieder-Fürsorge der Präsidenten nicht vor.

Wenn Sie das genau so sehen, dann helfen Sie mit, Missstände in unserem Berufsstand zu beseitigen. Stehen Sie nicht abwartend beiseite. Bringen Sie frisches Blut in die Verantwortlichkeit! Nur wenn wir uns und anderen beweisen, dass wir reformfähig sind und unsere eigenen Probleme lösen können, erfahren wir Hilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung und von den Politikern. Erst dann gibt es Hoffnung für die Zukunft der Heilpraktikerschaft.

Sollten Sie für aktive Mitarbeit einen Anlaufpunkt suchen, unser Verband steht Ihnen immer offen. Sprechen Sie mit uns!