Euro-GebüH

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 4/2002

Den "Bock zum Gärtner" gemacht haben meiner Ansicht nach die sogenannten DDH mit ihrem Sprecher der sogenannten Gutachter- und Gebühren-Kommission. Die Querelen um ein von ihm "frisiertes" GebüH in EURO bestätigen mich in meinem bisherigen Aussagen. Dabei sollte das gescheiterte LVH 96 noch nicht vergessen sein. Ich sehe auch diese "EURO-Version" scheitern, weil die Voraussetzungen dafür nicht stimmen, auch wenn uns die Kommission das versichern möchte. Es kann schon allein deshalb nicht klappen, weil diese Herren Gebühren-Kommissare nicht für die gesamte Heilpraktikerschaft sprechen. Die ersten Grabenkämpfe mit recht unkollegialen Schuldzuweisungen und Verdächtigungen sind ja schon ausgebrochen. Wenn man bedenkt, welche umfangreichen - und auch kostenträchtigen - Vorbereitungen nötig waren, das GebüH '85 zu schaffen, dann ist dieser Handstreich der Gebühren-Kommissare unprofessionell. Man kann nur hoffen, dass uns dieses stümperhaft gezimmerte neue GebüH nicht von den Kostenerstattern um die Ohren geschlagen wird.

Es freut mich, dass in diesem Fall nicht allein ich die Missstände deutlich anspreche, sondern Funktionäre hier schonungslos miteinander ins Gericht gehen. Ich werde auch in Zukunft unsere Berufsprobleme nicht vertuschen. Auch wenn die Wahrheit manchmal weh tut, ist nur sie die Basis, auf der man Veränderungen erreichen kann.

Noch ein Wort zu unseren Liquidationen nach GebüH '85 jetzt in EURO. Sicherlich ist es ein netter Zug, wenn man die Einnahmen der Kollegenschaft etwas aufpolieren möchte. In 17 Jahren gab es keine Aufbesserung. Alle Kosten sind aber während dieser Zeit immens gestiegen. Glaubt nun die Gebühren-Kommission allen Ernstes, dass das Aufrunden krummer Euro-Preise den "Kohl fett macht"? Sie bringt uns eher in den Ruf, dass auch bei uns der EURO zum Teuro wird. Wenn ich hier der korrekten Umrechnung von Mark in EURO das Worte rede, habe ich doch einen guten Vorschlag an den Sprecher der Gebühren-Kommission: "Pfeifen Sie endlich diejenigen zurück, die korrekte Liquidation nach GebüH zerfleddern, Behandler diffamieren und Leistungsverweigerungen ermöglichen! Der dadurch verursachte immense Schaden lässt sich durch die Aufrundung um ein paar Cent nicht aufwiegen. Das ist nur Augenwischerei."

Das verdeutlichen auch die nachstehenden beispielhaften Zitate aus sogenannten "Gutachten".

Aus einem Hp-spezifischen Gutachten

Als mir ein Kollege das diffamierende Pamphlet überbrachte, aus dem nachstehend zitiert wird, standen ihm die Tränen in den Augen. Nicht nur wurde seine Arbeit dadurch diskreditiert, er verlor auch einen Patienten, dessen Gesundheit er wieder hergestellt hatte.

Der Patient war "ausgedoktert" zu unserem Kollegen gekommen. Er hatte eine Hepatitis durchgemacht, die als ausgeheilt galt, aber irreversible Leberschäden hinterlassen hatte. Außerdem litt er an einer ständig rezidivierenden Colitits ulcerosa. Sein Gesamtzustand war instabil. Chronische Bronchitis und Herzprobleme rundeten das Krankheitsbild ab. Das war seiner Versicherung seit Jahren bekannt. Das "Fachgutachten aus Hp-spezifischer Sicht" vom "Sachverständigen in Hp-Fragen" deutete die seit Jahren feststehenden und bereits durch ärztliche Vorbehandler zweifelsfrei gestellten Diagnosen:

So ist die Hepatitis C für ihn noch akut, und er rät dem Versicherten, in diesem Fall eine strafbewehrte Handlung ahnden zu lassen: Verstoß gegen das Bundesseuchengesetz. Dabei wirft er sogar die Frage auf: "Hat Ihr VN nicht sogar eine HIV-Infektion bzw. AIDS?" Und er stellt fest: "Zum Zeitpunkt der Behandlung hat der Hp dies noch behandeln dürfen. Das neue Gesetz hat damit - Gott sei's gedankt - Schluss gemacht." Bei der angegriffenen Gesundheit seines Patienten hat der Behandler auch Vitamin-C-Infusionen erfolgreich eingesetzt. Dazu der "Sachverständige": "Wenn Vitamin C überhaupt in Frage kommt, reichen orale Gaben völlig aus. Infusionen sind deshalb medizinisch nicht notwendig, auch dann nicht, wenn der Therapeut ständig etwas von einem Immundefizit faselt".

Dass der behandelnde Kollege für den Versicherten einen ausführlichen Befunds- und Behandlungsbericht erstellt und dafür DM 75,00 liquidiert hatte, kommentiert der Hp-Sachverständige: "Nach GebüH, Pos. 11.1 hätte er dafür nur DM 10,49 berechnen dürfen." (Nach unserem GebüH, Pos. 11.2, wird ein Gutachten mit maximal DM 40,00 beziffert.)

Eine elektro-thermische Behandlung der Bronchitis lehnt der "Experte" mit der Begründung ab: "Der Patient hätte sich da besser bei seiner Bronchitis zwei, drei, viermal täglich zu Hause Omas Wärmflasche auf den Thorax gelegt. Das wäre ein nützlicher Ratschlag an den Patienten gewesen, den sich der Therapeut ja einmal mit Pos. 5 hätte bezahlen lassen können."

Kneipp'sche Wickel lehnt er als "Sachkenner der Kneipp-Therapie" ab, weil sie nicht häufig genug erfolgt seien. Keine Erstattungsempfehlung. Die erfolgte Injektionstherapie lehnt er mit Hinweis auf seinen heiß geliebten Prof. Hadorn ab. Außerdem behauptet er, Ampullen aus Praxisbeständen dürften nicht abgerechnet werden. Er stellt hier dreist eine Behauptung wider besseres Wissen auf. Denn seit 12 Jahren kennt er durch mich das Urteil des OLG Hamm (Az. 20 21 186/89). Die Magnetfeldbehandlung lehnt er ab, weil "diese Therapie praktisch fast gegen jede Krankheit empfohlen wird". Eine Mischinjektion aus 11 Ampullen, zweimal Pos. 25.2, bezeichnet er als "groben Unfug". Für das Präparat Horvi C 300 erkennt er "sachverständigerseits" keine Indikation.

Abschließend erlaubt er sich "die sarkastische Frage", wieso es "bei der Behandlung mit diesen tollen Mitteln überhaupt noch Krankheit gibt" und wünscht dem Sachbearbeiter "viel Freude beim Lesen".

Wenn dann diese Beurteilung mit der Behauptung "Vorstehendes Gutachten wurde unbeeinflusst, rein sachlich und neutral nach bestem Wissen und Gewissen erstellt" endet, ist das in meinen Augen eine besonders perfide Verhöhnung eines anständigen Kollegen, der sich um das Wohl seiner Patienten bemüht.

Da mir beide Hp, "Gutachter" und Behandler von Person bekannt sind, erlaube ich mir ein Urteil: Vor der Lebensleistung und dem Engagement des Behandlers für seine Patienten habe ich großen Respekt.