Gedanken zur Gesundheitsreform

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2003

Im Gesundheitssystem lediglich schonungslos die ausgaben zu kürzen und die Kranken mehr zu belasten,ist noch keine Gesundheitsreform. Modelle dieser Art hatten wir bereits. Sie haben nichts gebracht, verdienten nicht den Namen "Reform", sondern ließen die Kosten weiter steigen, so dass in diesem Jahr die Sozialabgaben für Krankenversicherung 15 Prozent erreichen werden. Wenn der frühere Gesundheitsminister Seehofer (CDU) noch unlängst über seine Nachfolgerin sagte: "Sie hat nicht alle Tassen im Schrank", soll er nun mit ihr gemeinsam die Probleme in der Sozialversicherung regeln. Allein kann die Regierung kein Reform-Paket schnüren. Deshalb holt sie die Opposition mit ins Boot. Doch es ist nicht damit getan, wenn sich beide nur über die Leistungskürzungen einigen könnten.

Kostendämpfung: Sicherlich wäre die Machtbeschneidung der Lobbyisten im Gesundheitswesen ein wichtiger Reform-Schritt, reicht aber allein nicht aus. Generell muss die Finanzierung unserer Sozialsysteme auf den Prüfstand. Der jetzige desolate Zustand zeigt, dass die bislang geübten Methoden nicht länger finanzierbar sind, Kürzungen und Selbstbeteiligung nur vorübergehend Luft verschaffen. Hier muss also die Reform ansetzen. Will man eine sozial gerechte und Arbeitskosten senkende Lösung, muss man für die GKV ein Tarifsystem wählen, in dem es - ähnlich der PKV - eine Grundversicherung gibt, die mit 50 Prozent vom Arbeitgeber mitfinanziert und mit zusätzlichen Tarifen nach Leistungswunsch aufgestockt wird. So könnte man mit Krankengeld, Chefarztbehandlung, Kuren, Zwei-Bett-Zimmer im Krankenhaus, orthopädische Hilfsmittel und Zahnersatz versichern. Letzteres könnte bis zu 100 Prozent abgesichert werden, im Gegensatz zu heute, wo der Versicherungsnehmer 50 bis 60 Prozent zuzahlen muss. Dies ist sozial gerechter und ausgewogener als die vorgesehenen drastischen Kürzungen. Mit einem zusätzlichen Bonus-System wären die Kosten noch weiter zu senken. Auch über einen Selbstbehalt sollte nachgedacht und Sportrisiken gesondert versichert werden. Den Missbrauch der Chip-Karte abzustellen, ist ein weiterer wichtiger Punkt zur Kostensenkung.

Unbedingt muss eine neue Chip-Karte her, die tatsächlich bei jedem Arztbesuch eingegeben wird und nicht einmal im Quartal. Zur besseren Kontrolle sind Passbild und Diagnose sinnvoll. Speicherung von Patientendaten könnten Doppelbehandlungen und Ärzte-Hopping vermeiden. Ein Reformschritt wäre auch, wenn der Patient anhand einer Rechnung seine Behandlung kontrollieren könnte. Wobei noch zu überlegen wäre, ob der Patient den Ausdruck nur abzeichnet oder selbst die Behandlung bezahlt und anschließend mit seiner Versicherung abrechnet. Damit würde eine Überforderung oder Manipulation ausgeschlossen und eine Bugdetierung von Ärzteleistungen überflüssig.

Auf dem Arzneimittel-Sektor sind bislang alle Reformversuche an der starken Lobby der chemischen Pharma-Industrie gescheitert. Die naturheilkundlichen Präparate wurden vom Markt gedrängt. Zum 1. Juli 2003 entfielen etwa 5.000 Medikamente. Die vorgesehene "Positivliste" wird diesen Trend verstärken, denn sie bevorzugt allopathische Präparate und erwähnt die naturheilkundlichen nur in einem Anhang. Mit Sicherheit wird es durch diese Regulierungsform keine nennenswerte Kostensenkung geben, auch nicht, wenn man mit der "aut idem-Regelung" nur die billigsten Medikamente verabreichen will. Allein ein freier Markt, in dem der Wettbewerb nicht behindert wird, spart Kosten ein. Das setzt allerdings voraus, dass die preiswerten Naturheilmittel nicht durch dirigistische Maßnahmen vom Markt gedrängt werden. Den Apotheken sollte freier Wettbewerb gestattet werden. Das brächte mehr Kostensenkung als höhere Rabatte für die GKV.

Das Unterlassen unnötiger Operationen und Vermeiden von Doppelbehandlungen brächte deutliche Einsparungen. Daher sollte nochmals überdacht werden, ob der Hausarzt stets als "Überweiser" fungieren muss. Zuzahlungen beim Arzt sind überflüssig, wenn die Leistung durch ein gestaffeltes Tarifsystem reguliert wird.

Bei allen Diskussionen um die Ausuferung der Kosten vermisst man den Verwaltungskostenanstieg der GKV, der im ersten Halbjahr 2003 erneut 3,5 Prozent ausmachte. Man kann nicht von allen Null-Runden verlangen, aber selbst munter drauflos wirtschaften. Bei einer wirksamen Reform muss in jedem Fall berücksichtigt werden, ob ein derart überbordendes GKV-Netz überhaupt sinnvoll ist. Eine Staffelung hätte einen ungeheuren Kosten senkenden Rationalisierungseffekt.

Die angedachte Leistungskontrolle in der Medizin ist grundsätzlich zu begrüßen, sofern damit nicht eine sozialistische Medizinverwaltung gemeint ist, die alles bis ins Letzte reglementiert, Fortschritt und Wettbewerb blockiert und damit wahre Leistung negiert.