Bleibt Gesundheit bezahlbar?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2002

Nahezu täglich haben uns in den letzten Wochen und Monaten die Medien mit Negativschlagzeilen aus dem Gesundheitswesen überflutet.

Die Situation hat sich gravierend zugespitzt. Der Ministerinnenwechsel hat das Chaos nur vergrößert. Dabei hatten gerade die Naturheilkundigen soviel Hoffnung auf die grüne Politik gesetzt. Die Enttäuschung war riesig. Die Nachfolgerin im Ministeramt konnte nur mit Lächeln und rheinischer Fröhlichkeit den verfahrenen Karren auch nicht wenden. So genügt es nicht, die Beitragserhöhung in der GKV mit Schadenfreude über eine mögliche Zehn-Prozent-Prämienerhöhung in der PKV zu kompensieren. Das ist keineswegs die erwartete Wende.

Sagte der Kanzler der ruhigen Hand im Wahlkampf, mit ihm werde es keine Zweiklassenmedizin geben, war er offensichtlich nicht richtig im Bilde. Wir hatten sie schon längst! Seit Jahren!

Waren schon Reformen bei den früheren Ministern Blüm und Seehofer vorwiegend Sprechblasen, so wurden aber in den letzten vier Jahren gravierende Fehler gemacht, so dass die medizinische Versorgung des Bürgers vor dem Bankrott steht. Sie ist nicht mehr bezahlbar. Die Politik hat absolut versagt, die Krankenkassen sind pleite, die Ärzte murren, Krankenhäuser sollen schließen, Apotheker grollen und die Pharmaindustrie ist auf dem Billig-Trip.

"Was interessiert das uns Hp", werden Sie sich fragen. Aber doch, es interessiert uns schon, wie alle diese Probleme im Gesundheitswesen gelöst werden. Wir stehen nämlich mittendrin!

Wird der Patient mehr zur Kasse gebeten, wird das Geld für alle knapper. Aber erst wenn beim Arzt oder in der Apotheke voll bezahlt werden müsste, könnten wir Hp uns einen Vorteil erhoffen, weil dann gleiche Voraussetzungen für alle herrschen würden. Das wird aber keine Regierung bei noch leeren Kassen wagen.

Die beiden Gesundheitsministerinnen des Kabinetts Schröder haben nicht eine einzige politische Entscheidung getroffen, die dem Patienten nützt, im Gegenteil. Das äußerst knappe Budget der Ärzte führt zur Zwei-Minuten-Behandlung. Der Zwang zur Überweisung stresst den Patienten und erhöht die Kosten. Die Aut-idem-regelung bringt die Billigversorgung und lässt eine qualitativ gesicherte Therapie nicht mehr zu. Die Qualität der Behandlung sinkt auch, wenn Krankenhäuser nur noch eine Fall-Pauschale erhalten. Wenn zudem im Ministerium noch darüber nachgedacht wird, jedes dritte Krankenhaus zu schließen, ist es um die Intensiv- und Notfallmedizin künftig schlecht bestellt.

Die Internet-Apotheke aus benachbarten EU-Staaten verärgert die Apotheker und bringt den Patienten letztlich keine Vorteile, da sie nicht individuell liefern kann und auch keinen Notdienst leistet.

Inzwischen haben die Gesundheitspolitiker schon wieder eine neue Wortschöpfung kreiert: "Gatekeeper-System". Allgemein verständlich darunter zu verstehen ist, dass nur aus einer von den Kassen empfohlenen Liste Ärzte für den Erstbesuch aufgesucht werden können (dürfen!). Nur diese sind dazu befugt, an einen Fachmediziner weiter zu überweisen.

Wenn man damit das Ärzte-Hopping vermeiden will, sei der Hinweis erlaubt, dass die häufige Überweiserei auch nicht billig ist.

Bei all diesem verzweifelten und zweifelhaften Bemühen, medizinische Versorgung bezahlbar zu halten, vermeldet die GKV im ersten Halbjahr zwei Milliarden Verluste und droht Beitragserhöhungen an. Die Ankündigung der Politik, man wolle nun auch die Höherverdienenden in die GKV zwingen, dürfte wohl kaum dieses Defizit ausgleichen, dafür aber die PKV deutlich schwächen. Diese Regelung würde auch unsere Patientenklientel nachhaltig treffen. Umsatzausfälle sind dann vorprogrammiert.

Ganz gleich, wer jetzt nach der Wahl die Richtlinien der Politik bestimmt, das Gesundheitswesen muss auf den Prüfstand. Ohne gravierende Einschnitte für uns alle wird es nicht abgehen, wenn der Staat mit einer Grundsicherung seiner sozialen Verpflichtung nachkommen will. Die bisherige Wurschtelei hat deutlich gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann.

Aus der Wahlpropaganda der Parteien sollte man die Vorschläge herausfiltern, die eventuell Erfolg versprechen, z.B. ein Tarifsystem - Mit einem Standardpflichttarif wäre dann jeder PKV-Patient für die Grundversorgung abgesichert. Alle Zusatzleistungen sind nur über Tarifstockung zu haben. Für Sportrisiken, Alkohol- und Nikotinabusus sollte ein Malus erhoben werden.

Über die Vorschläge der Liberalen, die einen freien Wettbewerb der Krankenkassen - auch zwischen GKV und PKV - zuzulassen, müsste ebenfalls ernsthaft nachgedacht werden. Auf den Prüfstand gehören ebenso die Verwaltungskosten der GKV. Belasten nicht auch ihre Paläste unser Versicherungssystem?

Zu überdenken ist zudem die Zuwanderung in unser soziales System. Wenn unser Staat Asyl gewährt, ist das ein Politikum, aber keine Zahlungsverpflichtung für die Kranken- und Rentenkassen, wo es nur die pflichtversicherten Bürger belastet.

Da wir als Volksgemeinschaft alle in einem Boot sitzen, sollten wir, selbst wenn der Pulverdampf der Wahlschlacht abgezogen ist, unsere frisch gewählten Politiker nicht aus der Pflicht lassen, ihre Wahlversprechen einzuhalten. Fordern Sie also von ihren Kandidaten nachhaltige Reformen, möglichst öffentlich über die Medien.