Wozu noch Hp-Überprüfung?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 7-8/2002

Wozu überhaupt noch die Hp-Überprüfung? So könnte man fragen, wenn man die Entscheidung des AG Minden zur Kenntnis nimmt.

Hier stand ein Strafverfahren gegen eine 63-jährige Frau an, die seit Jahren unentwegt gegen das HPG verstoßen hat. Zwar hatte die Beklagte vor 20 Jahren eine Hp-Schule des VDH besucht, aber ihre Überprüfung beim Gesundheitsamt Minden nicht bestanden. Daraufhin hatte sie bis 1988 als Praxishilfe gearbeitet und seitdem selbständig ohne Zulassung praktiziert. Zwei Jahre lang hatte die Staatsanwaltschaft zähflüssig ermittelt, was dem illegalen Praxisbetrieb keinen Abbruch tat.

Von der Kripo wurden 80 Patienten-Karteikarten, Injektionsmaterial und Ampullen-Vorräte beschlagnahmt. 30 Patienten wurden von der Polizei vernommen, davon gaben 15 eine Heilbehandlung zu. Das bestätigte auch der medizinische Direktor des Gesundheitsamtes Minden und bescheinigte einen Verstoß gegen das HPG.

Der Richter allerdings sah die Sachlage anders. Er vermute nur einen geringen Verstoß, bei dem niemand zu Schaden gekommen sei, der keiner Verurteilung bedürfe. Er plädierte, um das Verfahren abzukürzen, für die Einstellung nach 153a StPO mit einem Bußgeld von EURO 1.000,-, zu zahlen in fünf Monatsraten.

Sollten derartige Entscheidungen Schule machen, werden illegale Behandlungen in der Grauzone sprunghaft ansteigen. Schon jetzt erleidet unser Berufsstand dadurch großen Schaden. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Physio- und Ergotherapeuten sowie Fußpfleger unserer Therapien bemächtigen und dies auch ganz keck auf ihre Praxisschilder schreiben. Täglich wird unsere Geschäftsstelle über derartige Vorgänge informiert. Abmahnungen bringen nicht immer Erfolg. Verfahren wegen Verstoß gegen das HPG dauern. Die Mühlen der deutschen Justiz mahlen noch langsamer als Gottes Mühlen, mit dem Ergebnis schließlich siehe oben.

Hier tut sich für unseren Berufsstand eine Existenzfrage auf. Es ist dringend geboten, die Grauzone auszutrocknen. Dafür muss es gelingen, die Gesetzgeber zu motivieren, damit sich Mindener Entscheidungen, die das HPG aushebeln, nicht wiederholen. Sonst können wir uns künftig Hp-Überprüfungen ersparen. Hier nämlich werden die Anforderungen immer höher gehängt, was ja auch letztlich sinnvoll ist. Denn auch wir wollen erstklassige Ausbildung und Qualität in der Behandlung. Dafür muss der HPA nicht nur Fleiß, Zeit und Mühe aufwenden, sondern auch erhebliche Geldmittel.

Bleiben aber illegale Behandlungen nahezu straffrei, kann man sich die Plackerei für die Überprüfung ersparen. Man fischt im Trüben, zahlt in der Regel auch keine Steuern und hat kaum Praxiskosten. Wird man erwischt, sieht man den zähflüssigen Ermittlungen unserer Justiz gelassen entgegen und zahlt schlimmstenfalls ein kleines Bußgeld - aus der Westentasche.

Diese Entwicklung muss dringend gestoppt werden.

Da ist jeder Hp gefordert, daran mitzuwirken.