Dr. jur. Manfred Köhnlechner verstorben

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 5/2002

Der bekannteste Heilpraktiker Deutschlands, wie ihn die Welt am Sonntag nannte, Dr. jur. Manfred Köhnlechner, ist tot. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass er als Verfasser seines Buches "Leben ohne Krebs" eben dieser Krankheit erlag. Sicherlich hat die Welt am Sonntag recht, wenn sie schreibt, er sei der bekannteste aller HP gewesen. Kein Funktionär oder Naturheilkundiger hat je seinen Bekanntheitsgrad erreicht. Bereits 1974 kannten ihn schon 40 Prozent der Bevölkerung. Bei seinem Tode war er nahezu jedem Mitbürger bekannt.

Er war in unserem Berufsstand eine schillernde, häufig auch umstrittene Persönlichkeit, ein Paradiesvogel gewissermaßen, der mit unserem Standesethos wenig "am Hut" hatte. So ist er auch nicht dadurch bekannt geworden, dass er außergewöhnliche Heilerfolge in seiner Praxis hatte, sondern weil er es als ehemaliger Topmanager verstanden hat, sich selbst exzellent zu vermarkten. Er hatte es nicht verlernt, auf der Klaviatur der Medien hervorragend zu spielen.

Wenn er morgens in der "Bild-Zeitung" ein Medikament empfahl, war es bereits nachmittags in den Apotheken ausverkauft. Dr. Köhnlechner, der als HP das "jur." in seinem Titel gern unterschlug, studierte Jura, Betriebs- und Volkswirtschaft, promovierte als Jurist an der Uni Würzburg, erhielt 1955 seine Zulassung als Anwalt, verdingte sich beim Bertelsmann-Konzern, den er wieder auf Erfolgskurs brachte und damit zum höchstbezahlten Manager Deutschlands wurde.

Als dieser Job ihn langweilte und keine neuen Anreize mehr bot, schied er dort überraschend aus. Ein "Schlüsselerlebnis" soll ihn dann angeblich zur Naturheilkunde gebracht haben, die er in nur einem Jahr im Selbststudium erlernte, bereits im März 1972 legte er in Rüdesheim die Amtsarztüberprüfung ab.

Sofort wurde in München die erste Naturheilkundepraxis eröffnet, aber schon 1974 behandelte er nicht mehr selbst, sondern ließ behandeln. Er hatte inzwischen ein Institut für Erfahrungsmedizin gegründet und bastelte - ganz Manager - an einem Imperium der Naturheilkunde, das heute aus zahlreichen Instituten, Praxen, Sanatorien und Gesellschaften besteht. Er selbst fungierte nur als "nichtsverdienender" atypischer Gesellschafter und Berater. Auch seine über 30 Bücher waren alle Erfolgsschlager.

Man könnte also sagen, die Zugehörigkeit zu unserem Berufsstand hat ihm Ruhm, Ansehen und Reichtum gebracht. Aber so richtig wohl hat er sich unter uns nie gefühlt. Anfangs suchte er die Nähe der Verbandspräsidenten. Doch dann entfernte er sich innerlich immer mehr von den Heilpraktikern. In der Öffentlichkeit bemängelte er immer wieder unsere "laue" Ausbildung. Immer häufiger vertrat er die Meinung, die Naturheilkunde gehöre in die Hände akademischer Mediziner.

Wenn wir nun auf das Leben von HP Dr. jur. Köhnlechner zurückblicken, welches Resümee können wir für uns daraus ziehen? Enthält es für uns eine Botschaft? Ich meine, ja!

Durch seinen hohen Bekanntheitsgrad hat er auch die Heilpraktikerschaft bekannt gemacht. Die Bevölkerung ist nicht nur zu ihm geströmt, sondern hat ebenso unsere Praxen angenommen. Unser Image ist duch seine Öffentlichkeitsarbeit aufgewertet worden. Kein HP-Präsident oder Spitzenfunktionär hat soviel PR-Arbeit für unseren Berufsstand geleistet wie er. Dafür sollten wir ihm dankbar sein. Über seine Ansicht, die Naturheilkunde gehöre in die Hände von Akademikern, weil diese eine fundierte Ausbildung mitbrächten, sollten wir nicht verärgert oder empört sein, sondern darüber nachdenken: Er hat damit nämlich einen ganz wunden Punkt berührt. Ohne fundierte Aus- und Weiterbildung wird es für unseren Berufsstand keine gesicherte Zukunft geben. Nehmen wir also seine Kritik als Anlass für nötige Reformen.

Noch eine weitere Botschaft hat er uns hinterlassen: Jede Praxis ist auch ein Wirtschaftsunternehmen, das erfolgreich gemanagt werden muss. Nicht jeder von uns hat jedoch seine Fähigkeit, damit Millionen zu verdienen, aber zu einer gesicherten Existenz sollte es schon reichen.

Eine Persönlichkeit ist von uns gegangen, die zwar sehr umstritten, aber auch außerordentlich erfolgreich war. Wir wollen uns in stillem Gedenken von ihm verabschieden.