Kranke(n)kassen

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2001

Es vergeht kaum mehr ein Tag, an dem nicht in den Medien Hiobsbotschaften über unser Gesundheitssystem verbreitet werden. So war zu hören, zu lesen und zu sehen: "Krankes Gesundheits-System", "Milliardendefizit bei den GKV", "4,9 Milliarden-Loch im ersten Halbjahr", "Beitragserhöhung auf 14 Prozent", "Finanznot bei den Kassen wächst", "jährlich 25.000 Tote durch Nebenwirkungen", "Ministerin Schmidt gerät unter Druck".

Diese Negativ-Schlagzeilen ließen sich unendlich fortsetzen. Sie alle sind nicht grundlos und weisen darauf hin, dass sich die Lage im Gesundheitswesen dramatisch zuspitzt, nachdem alle Reförmchen der Vergangenheit nichts gebracht haben.

Aber auch von unserer derzeitigen Ministerin ist eine Lösung des Problems nicht zu erwarten. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass ihr lediglich die Aufgabe zugedacht ist, bis nach der Bundestagswahl den Deckel auf den großen Topf der Probleme zu halten, damit die Regierung bis dahin keinen weiteren Schaden nimmt.

Was im Moment als Lösungsmöglichkeiten angeboten wird, ist reinste Flickschusterei. Da will z.B. die SPD die freie Arztwahl einschränken, somit den Hausarzt stärken und den Facharzt nur per Überweisung zulassen. Doch wo liegt da der Spareffekt? Jede Überweisung kostet Geld. Das unerwünschte Arzt-Hopping wird damit nicht ausgemerzt.

Doppelbehandlungen könnten aber vermieden werden, wenn man die Chip-Karte richtig und besser nutzen würde. Nur vor der Wahl wagt niemand diesen Schritt. Es ist auch keine Lösung für die Finanznot der Kassen, wenn Frau Schmidt bei den Arzneiausgaben die Notbremse zieht und in der Verschreibung von Generika und Reimporten ein Superpotential von ca. 3 Mrd. DM sieht. Außerdem glaubt sie, dass Apotheker zu viel verdienen. Da wären auch noch Einsparungen möglich. Sie vergießt dabei, dass sie bei der Verschreibungsexplosion nicht ganz unschuldig ist, indem sie die Limitierung nach Amtsantritt aufgehoben hatte.

Aber mit einer ausführlichen Beratung des Patienten bei der Verschreibung würde sicherlich verhindert werden, dass Medikamente in Milliardenhöhe im Müll landen. In diesem Versäumnis kann man auch den Grund dafür sehen, dass das Institut für die klinische Pharmakologie erneut festgestellt hat, dass in der Bundesrepublik jährlich 25.000 Patienten an Nebenwirkungen sterben und ca. 500.000 Patienten deshalb in den Krankenhäusern nachbehandelt werden müssen. Eine traurige Zahl und ein erheblicher Kostenfaktor.

Damit gerät die Gesundheitsministerin ebenfalls unter Druck, weil dieses Problem nicht angegangen wurde. Man muss sich fragen, ob bei der Zulassung von Allopathica nicht die gleichen strengen Zulassungskriterien gelten wie bei unseren Naturheilmitteln. Das Libobay-Debakel dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein.

Bei der Lösungssuche aus dem Dilemma des Gesundheitswesens kam neben einem Arzneimittelpass auch die Qualifizierung der Ärzte zur Sprache. Seitens der SPD wurde vorgeschlagen, dass Ärzte alle zwei Jahre ihre Fähigkeiten in einer Art Qualitäts-TÜV unter Beweis stellen. Bei diesem Vorschlag müsste bei uns Hp die rote Lampe angehen. Wenn man bei den Ärzten die Qualitätssicherung einführt, wird man uns nicht auslassen. Zu diesem Thema wurde in unserer Verbandszeitung "Natur-Heilkunde Journal" schon mehrfach Stellung genommen.

Zu den vielen Lösungsvorschlägen zählt auch ein grundsätzlich anderes Versicherungssystem, das den Tarifen der PKV angeglichen sein soll. Neben einer Grundversicherung, zu der der Arbeitgeber 50 Prozent zuzahlt, kann man die Krankenversicherung durch Zusatztarife aufstocken. Beim Arzt würde die Behandlung entweder quittiert oder wie bei den Privaten direkt bezahlt und anschließend mit der Krankenkasse abgerechnet. Dieser Gedanke könnte eine umwälzende Reform bringen, wäre aber im Wahlkampf Sprengstoff und damit für alle Politiker ein heißes Eisen.

Negativ an dieser Überlegung wäre nur, wenn sich die GKV bei bereits verauslagten Arztrechnungen genauso verhalten würde wie die PKV, nämlich zu versuchen, sich per Leistungsverweigerung zu sanieren.

Wenn vor der Wahl nichts passiert, was uns aus der Sackgasse der Gesundheitspolitik führt, kommt gewiss nach der Wahl - ganz gleich, wer sie gewinnt - für uns alle eine Rosskur, an der das System dann gesunden soll.

Selbst wenn wir Hp mit der GKV nichts zu tun haben, müssen wir höllisch aufpassen, dass wir ungeschoren davonkommen. Durch Sparmaßnahmen könnte auch unser Therapieradius eingegrenzt werden.