Gesundheitsreform - eine Kungelrunde?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2003

Nachdem wir an dieser Stelle bereits Gedanken zur Gesundheitsreform geäußert haben, liegt nun das Ergebnis der Konsensrunde vor. In der "Welt am Sonntag" wurde der derzeitige Zustand der Sozialsysteme mit einem Brüchigwerden der organi-schen Versorgungsleistungen beschrieben, das zum Platzen eines Aortaaneurysma geführt hat. Der Chefchirurg, der bislang beratungsresistent schien, holte die Opposition mit ins Boot, um beim letalen Ausgang seiner Operation einen Mitverantwortlichen zu haben. Und da bei dieser Aktion keiner verlieren will, wurde handfest gekungelt. Das Ergebnis ist hinreichend bekannt.

Was springt nun bei diesem "Reformwerk" für die Patienten heraus? Zunächst wird jeder Bürger, wie er auch versichert sein mag, feststellen, dass er für den Erhalt seiner Gesundheit mehr zu zahlen hat. Für Klinikaufenthalte wird er vielleicht zukünftig sogar eine Genehmigung benötigen. Bei nachgewiesener Vorsorge, die Patienten schon jetzt selbst bezahlen müssen, dürfen die Kassen Bonus einräumen. Freiwillig in der GKV Versicherte dürfen auf Rückerstattungen hoffen, wenn sie das System nicht belastet haben oder Tarife mit Selbstbehalt wählen.

Fazit also für den Patienten: er zahlt die Zeche dieser "Reform", die eigentlich nur eine vorübergehende Kostendämpfung ist, aber keineswegs ein Strukturwandel im Gesundheitswesen. Diese einmalige Chance, die mit Hilfe der Opposition möglich gewesen wäre, wurde leider verpasst. Erinnern wir uns an die Verlautbarungen unserer Führungselite auf dem Hp-Tag in Karlsruhe: "Hp als Gewinner der Gesundheitsreform! Die Patienten strömen in unsere Praxen!"

Eine nüchterne Betrachtung der Ergebnisse der Konsensrunde gibt dieser Hoffnung wohl kaum Nahrung. Wir Hp waren gar nicht im Gespräch, weil man uns in Berlin nicht einmal kennt. Außerdem lässt eine deutliche Verknappung des Geldes die Menschen nicht wo anders hin strömen. Zumindest ist in unseren Praxen der Patientenstrom bisher nicht angekommen. Vielmehr ist es geboten, die Praxen als Unternehmer zu führen und mit geschicktem Management eventuell Umsatzlücken zu schließen. Wenn im Laufe dieser "Reform" keine rezeptfreien Medikamente mehr von der GKV erstattet werden dürfen, bringt uns das weitere Nachteile, weil diese Präparate dann mangels ausreichender Nachfrage vom Markt verschwinden werden. Uns wird damit weiteres Handwerkszeug genommen. Es hilft nicht, vor den Problemen die Augen zu verschließen und frohe Botschaften ins Land zu posaunen, sondern es ist höchste Eisenbahn, den Berufsstand auf härtere wirtschaftliche Zeiten vorzubereiten. Von den Politikern können wir dabei keine Hilfe erwaten. Sie kennen uns kaum und kungeln an uns vorbei.