Leistung und Honorar

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 9/2002

"Leistung und Honorar", so lautet der Titel des Buches unseres Seniorkollegen Hp Werner Vogt. Aus der Erfahrung einer 50.jährigen Praxistätigkeit gibt er uns einen Leitfaden für die Liquidation. Inzwischen ist die siebte Auflage erschienen. Ich kann der Kollegenschaft nur raten, dieses Buch zu besitzen und danach zu handeln.

Im Vorwort fragt sich der Kollege Vogt, ob der Titel nicht auch "Honorar für Leistung" lauten könnte. Mir gefiele dieser Titel noch besser, denn die Leistung, die wir erbringen, sollte gebührend honoriert werden.

Damit wären wir bereits beim GebüH. In diesem Buch ist es in Euro umgerechnet nach dem Vorschlag der DDH, d.h. alle Positionen sind geringfügig um einige Cent angehoben.

Hier soll nicht erneut diskutiert werden, ob die dilettantische Flickschusterei am GebüH, die bestenfalls nur "Peanuts" bringt, sinnvoll war. Aber es sei erlaubt, darauf hinzuweisen, dass unser GebüH `85 vom Kartellamt nur geduldet war und ist. PKV und die Beihilfestellen der Länder haben freiwillig auf dieser Basis reguliert. Ob sie jetzt eine Preiserhöhung anerkennen, bleibt abzuwarten. Ohne Risiko ist dagegen eine korrekte Umrechnung in Euro nach dem amtlichen Kurs. Wir setzen uns damit auch nicht dem Verdacht aus, dass für uns der Euro ebenfalls der Teuro ist.

Sicherlich müssen wir unsere in 17 Jahren gestiegenen Kosten irgendwie abfangen. Da jede Praxis ein kleiner Wirtschaftsbetrieb ist, muss so kalkuliert werden, dass man sich in der Gewinnzone befindet. Jeder Behandler sollte die Kosten seiner Praxisstunde kennen.

Der Kollege Hp Norbert Hermann, Bochum, befürchtete in seinem Vortrag auf dem Hp-Tag in Düsseldorf, dass wir mit Liquidationen nach dem GebüH unser Kostenbild nicht decken können. Entweder müsse von den Patienten zugezahlt oder hinzugelogen werden. Mit letzterem würden wir dann allerdings eine strafbare illegale Handlung begehen, die niemand von uns verlangen kann. Eine große Hilfe dagegen wäre es, wenn wir die Leistungsverweigerung der PKV vermeiden könnten.

Auch dazu finden wir hilfreiche Anmerkungen beim Kollegen Vogt: "Gutachter sollte ein Hp sein, der sich in allen Hp-spezifischen Heilverfahren auskennt und von seinem Verband vorgeschlagen wird."

Damit ist sicherzustellen, dass der PKV nur wirklich kompetente Hp als Gutachter vorgeschlagen werden, auf deren neutrale Bewertung Verlass ist. Nach mir vorliegenden RS an die PKV wurde VDH-Beirat Hp Mertgen von seinen VDH-Verbandspräsidenten vorgeschlagen, um gegen die polemischen, diffamierenden Weninger-Gutachten anzuzeigen. Doch sehr bald hatte Herr Mertgen die sprudelnden Geldquellen der PKV für gefällige Beurteilungen entdeckt. Schade!

Aber wer hat nun die FDH-Gutachter König, Oppel und Weninger vorgeschlagen, die bis heute den Schutz ihres Präsidenten genießen? Eigentlich hatten die Präsidenten der früheren Kooperation vereinbart - wie ich einem Beleg entnehmen kann -, dass die BehandlerInnen jeweils von einem Gutachter ihres Verbandes beurteilt werden sollten. Leider ist das nie geschehen!

Aber die wirklich zwingende Frage zu diesem Thema ist doch, wer hat die Qualifikation dieser "Gutachter", die bis heute unsere Liquidationen zerfleddern, überprüft und kontrolliert, ob sie neutral, objektiv und fachkompetent urteilen? Wenn ich in die Vergangenheit der Herren Präsidenten über besonders infame "Bösachter" mit Beleg informiert hatte, erfolgte darauf nie ein Echo.

Hören wir hierzu wieder den Kollegen Vogt: Er beklagt ebenfalls, dass der Gutachter zunächst für den Behandler anonym bleibt, so dass dieser nicht erfährt, von wem und wie seine Arbeit beurteilt wurde und dazu nicht Stellung nehmen kann (siehe Kap. 6, S. 79). Erst wenn der Patient nach 178 m VVG das "Gutachten" anfordert oder vor Gericht geht, kommt Licht in das Dunkel. Aber leider sind nur die wenigsten VN gewillt, um eine verweigerte Leistung zu prozessieren.

Die im Auftrag der PKV angefertigten Gutachten dürfen keine diskreditierende Bewertung enthalten. Eigentlich ist nur festzustellen, ob im Rahmen der GebüH liquidiert wurde und ob Diagnose und Therapie übereinstimmen, damit die jeweilige Versicherung die Höhe der Leistung festsetzen kann. Keineswegs kann man damit aber eine Ablehnung wegen fehlender medizinischer Notwendigkeit begründen. Der "Gutachter" kann nur nach Aktenlage zu diesem Ergebnis auch nicht kommen. Damit würde er bereits seine Kompetenz überschreiten.

Ebenso kann er nicht darüber befinden, ob eine parenterale Therapie grundsätzlich durch eine orale zu ersetzen ist. Das würde bereits die Grenze der Objektivität überschreiten. Doch diese Bewertung kommt fast in jedem "Bösachten" vor. Daraufhin lehnt dann die betreffende Versicherung die gesamte Injektionstherapie ab. Das wiederum führt zu massiver Verärgerung des VN, der seinen Frust dann beim Therapeuten ablädt. Lesen sie auch darüber beim Kollegen Vogt (Kap. 6, S. 80ff) nach.

Seine sehr sachliche Stellungnahme zu diesem problematischen Thema trifft den Nagel auf den Kopf. Jedem zugelassenen Hp ist grundsätzlich eine korrekte Liquidation zuzutrauen, die das Wirtschaftlichkeitsgebot berücksichtigt. Ebenso ist ihm zuzutrauen, dass er nach einer gründlichen Diagnose in der Lage ist, die passende Therapie zu wählen. Es ist dann sein gutes Recht, dass er für seine Leistung das entsprechende Honorar bekommt.

Wenn unsere obersten Funktionsträger endlich bereit sind, den Missstand des Gutachterunwesens in unserem Berufsstand auszuräumen, für den sie allein zuständig sind, wird sich die wirtschaftliche Lage unserer Praxen deutlich verbessern, nicht aber durch die Flickschusterei am GebüH.