Sehr geehrte(r) Frau/Herr...,
seit Jahren sind sie Bundestagsabgeordnete(r) für meine Region und haben
sich nachweislich sehr für die hiesige Bevölkerung eingesetzt.
Aber die großen überregionalen Probleme unseres Landes dürften Ihnen ebenfalls
nicht fremd sein. Hier möchte ich Sie insbesondere auf das Gesundheitswesen
ansprechen.
Schon etliche Gesundheitsminister haben sich vergeblich an Reformen versucht.
Momentan ist die Verwirrung komplett.
Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass die Bevölkerung immer mehr zu
Naturheilverfahren tendiert, nach letzten Umfragen sogar zu 80 Prozent. Politisch
wird dieser Tendenz nicht Rechnung getragen. Mit dem 10. AMG werden der Naturheilkunde
Auflagen gemacht, die die mittelständische biologische Pharmaindustrie nicht
erfüllen kann. Folge: Immer mehr altbewährte Medikamente verschwinden vom
Markt, vielfach die Herstellerfirmen mit.
Meinem Berufsstand wird dadurch
das Handwerkszeug genommen und ebenfalls die Existenz gefährdet. Einflußstarke
Lobbyisten ziehen in dieser Richtung die Fäden in den Kulissen des Gesundheitsministeriums.
Dabei sollte jeder engagierte Gesundheitspolitiker und Abgeordnete bei all
seinen Entscheidungen bedenken, dass die Patienten, die die Naturheilkunde
bevorzugen, Ihre Therapie selbst bezahlen und das Sozialsystem nicht belasten.
Das trifft vor allem auf meine Patienten zu, da ich ja mit der GKV nicht
abrechnen darf.
Dort jedoch, wo ich mit Versicherungen (PKV) abrechnen darf, behindert mich
ebenfalls die Politik. Durch Untätigkeit verhindert das Bundesaufsichtsamt
für Versicherungswesen (BAV) entgegen seiner Aufgabenstellung, dass die einzelnen
Versicherungsgesellschaften vertragsgerecht leisten. Es läßt zu, dass die PKV
mit anonymen Gefälligkeitsgutachtern die Leistung verweigert und Tausende
Patienten dadurch schweren wirtschaftlichen Schaden erleiden.
Alle bisherigen
Beschwerden und Eingaben blieben unberücksichtigt. Selbst der oberste
Dienstherr, der dem Bundesrechnungshof eine Verbesserung des
"Synergieeffektes" des BAV zugesagt hat, zeigt sich desinteressiert an
der Schädigung, die Bürgern zugefügt wird, die ihre Krankenversicherung
zu 100 Prozent selbst bezahlen und damit das soziale System entlassen.
Nun stehen bald wieder Wahlen ins Haus, die mich veranlassen Sie
zu fragen, wie Sie in der neuen Legislaturperiode die Interessen meiner
Patienten vertreten wollen. Was werden Sie tun, um die biologische
Pharmaindustrie vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren?
Insbesondere interessiert mich natürlich, welche Vorstellungen Sie zur
Zunkunftssicherung meines Berufsstandes haben?
Wenn 80 Prozent unserer Bevölkerung naturheilkundlich behandelt werden will,
wie stehen Sie persönlich dazu?
Viele Fragen, die rasch einer Antwort bedürfen, damit sie beim
Wahltermin Berücksichtigung finden.
Ich würde gerne von Ihnen hören.
Mit freundlichen Grüßen