Sponsert die PKV das BAV?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 6/2001

Wenn man einer Information des Bundes der Steuerzahler Glauben schenkt, zahlt die private Versicherungswirtschaft 90 Prozent der Kosten ihrer Aufsichtsbehörde (BAV). Ich sehe hier wieder einmal den "Bock als Gärtner", denn wer wird ernsthaft annehmen wollen, dass diese Behörde dann ihren Geldgebern auf die Finger klopft.

Genau dieser Eindruck entsteht, wenn man über Jahre erlebt, wie Reklamationen oder Beschwerden bestenfalls mit einem Vierzeiler abgebügelt oder erst gar nicht beantwortet werden. Auch der oberste Dienstherr, der Bundesfinanzminister, stellt sich schützend vor seine untätige Behörde, deren Aufgabenkatalog unmissverständlich sagt, dass der wirtschaftlich schwächere Partner eines Versicherungsvertrages zu schützen ist, besonders bei Lebens- und Krankenversicherung, die Bestandteil der sozialen Absicherung sind.

Aber selbst wenn der Steuerzahler nur 10 Prozent der Behördenkosten zu tragen hat, ist es sein gutes Recht, gegen diesen Missstand zu protestieren. Insbesondere sollten dies die PKVersicherten tun, die mit hohen Prämien ihre soziale Absicherung allein finanzieren. Es kann doch nicht angehen, dass sie im Leistungsfall erst die Gerichte bemühen müssen, wie es das BAV bequemerweise immer wieder vorschlägt. Dieser Vorgang kommt nämlich einer Aushebelung des Versicherungsvertrages gleich. Meine langjährige Erfahrung bei der Bearbeitung von Leistungsverweigerungen hat mich gelehrt, dass diese Prozesse Jahre dauern, weil die Versicherungen alle Instanzen ausschöpfen. Der längste Prozess, den wir betreut und zu dessen Erfolg für den Patienten wir beigetragen haben, währte 4 Jahre und 9 Monate. Wird den Patienten solange das Geld vorenthalten, bleibt die Beziehung zum Behandler fast immer dabei auf der Strecke. Vielfach gibt der VN mitten im Verfahren auf.

Weil nun das BAV so umsichtig die Versicherungswirtschaft schützt, ist mit Eingaben und Beschwerden auf dem "Dienstweg" nichts zu machen. Das bevorstehende Wahljahr verspricht nur eine Änderung an der Urne. Die Wahlkandidaten müssen über den unsicheren privaten Versicherungsschutz ihrer wählenden Mitbürger rechtzeitig informiert werden. Wir haben das im Bereich unserer Geschäftsstelle bereits getan und sind auf großes Interesse, aber auch auf absolute Unkenntnis der Materie gestoßen. Immerhin sind einige Millionen Privatversicherte im Wahlkampf nicht gerade "Peanuts".

Dies scheint mir der einzige Weg zu sein, ein unsägliches Kapitel doch noch zu Gunsten unserer Patienten abzuschließen.