"Die Qual der Wahl"

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 9/2001

Täglich lesen und hören wir, Politikverdrossenheit führt zur Wahlmüdigkeit. Doch das darf nicht sein! Der Bürger, der leider nur zur Wahlzeit mündig ist, hat nur dann eine Chance, in der Politik etwas zu ändern.

Wahlzeit steht wieder vor der Tür, ja der Wahlkampf hat in den Medien schon begonnen. Ergreifen wir also die Gelegenheit, unsere Anliegen bei den Politikern ins rechte Licht zu setzen.

Ein Anliegen könnte sein, dass unsere privat versicherten Patienten vor vertragswidrigen Leistungsverweigerungen geschützt werden.

Unsere bisherigen Bemühungen, diesen Missstand abzustellen, sind an Behördenuntätigkeit und Desinteresse des zuständigen Ministers gescheitert. Obwohl die aktuelle Rechtsprechung längst geklärt hat, welche Qualifikation ein Fachgutachter haben muss und wie KV-Verträge auszulegen sind, sehen die Aufsichtsbehörde (BAV) und ihr oberster Dienstherr, Finanzminister Eichel (SPD) keinen Handlungsbedarf. Dabei sagt auch die Aufgabenstellung des BAV eindeutig, dass im Versicherungswesen der wirtschaftlich schwächere Vertragspartner besonderen Schutz genießt. Insbesondere sind Lebens- und Krankenversicherungen schützenswert, weil sie Bestandteil der sozialen Absicherung sind.

Eigentlich sind alle Voraussetzungen gegeben, den Versicherungen auf die Finger zu schauen und die Aushebelung der Versicherungsverträge durch anonyme Gefälligkeitsgutachter zu unterbinden. Denn hier betreiben die Gesellschaften schamlos Gewinnmaximierung auf Kosten ihrer Versicherungsnehmer. Es kann einfach nicht sein, dass man Versicherungsschutz, den man sich für teure Prämie erkauft, im Leistungsfall zivilrechtlich ausklagen muss.

Vielleicht mag Herr Eichel meinen, die Wählerstimmen eines kleinen Verbandes oder aber auch der Heilpraktikerschaft insgesamt sind nur "Peanuts", auf die es ihm nicht ankommt, aber gezählt wird erst am Wahlabend.

Bis dahin sollten wir sehr rührig sein.

Was können wir also tun?

Zunächst sollten Sie Ihre Patienten darüber aufklären, dass die derzeitigen Politiker ihren KV-Schutz nicht garantieren oder zumindest ignorieren. Jeder Patient ist Wähler, der seinen Bundestagskandidaten befragen sollte, wie dieser seine Interessen vertreten will. Schließlich ist er ein Bürger, der die Kosten seiner Krankheitsvorsorge selbst trägt und nicht das soziale Netz belastet, das bereits zu reißen droht. Die Selbstbeteiligung, die momentan ein aktuelles politisches Thema ist, wird hier bereits praktiziert und verdient folglich Anerkennung durch die Politiker. Doch diese muss man zunächst über die derzeitigen Missstände aufklären und dann von ihnen Engagement verlangen.

Wir haben bereits die hiesigen Bundestagsabgeordneten, die sich um Wiederwahl bewerben, angeschrieben und auch schon erste Reaktionen gehört. Ein entsprechendes Anschreiben als Leitfaden kann in unserer Geschäftsstelle abgerufen werden.

Wir wollen aber die Aktivitäten zur Aufklärung und Befragung der Bundestagskandidaten nicht nur unseren Patienten überlassen. Auch die Verbände müssen Einigkeit zeigen und die Politiker jetzt zur Stellungsnahme auffordern. Die jeweiligen Antworten müssen publiziert werden, damit jedermann Schlüsse für seine Wahlentscheidung ziehen kann. Mit der kommenden Bundestagswahl tut sich für uns eine einmalige Chance auf, auch politisch etwas zu bewegen. Für unseren Berufsstand ist es wichtig, von der Politik jetzt eine klare Aussage zur Naturheilkunde, zu künftiger Gesundheitspolitik in Berlin und zu den für uns existenziell anstehenden Problemen einzufordern. Damit würde auch für unseren Berufsstand Planungssicherheit geschaffen, und alle Verbände könnten gemeinsam auf dieser Basis ein Zukunftskonzept für die Heilpraktikerschaft erstellen.

Alle KollegInnen fordern wir hiermit auf, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, Funktionäre mobil zu machen, Patienten aufzuklären, auch selbst Politiker anzuschreiben und die regionale Tagespresse mit Informationen zu versorgen. Wir helfen Ihnen gern dabei mit Rat und Tat.

Wir müssen jetzt das Eisen schmieden, solange es heiß ist, denn gemeinsam mit unseren Patienten sind wir als Wähler keine "Peanuts".