Wer stoppt das Chaos?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2002

Täglich bringen die Medien neue Horrormeldungen aus dem Gesundheitswesen. Der Normalbürger wird damit ständig in Panik versetzt und weiß mittlerweile gar nicht mehr, wie es um seine Gesundheits- oder Krankenversorgung bestellt ist.

Erst kürzlich war in "Spiegel" und "Focus" zu lesen, dass nur allzu häufig die verordneten Arzneien erst wirklich krank machen. Nach diesen Meldungen erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 22.000 Patienten an den Nebenwirkungen allopathischer Medikamente. Dies besagt eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums, die außerdem zu dem Ergebnis kommt, dass jährlich 12.000 bis 16.000 Todesfälle darauf zurückzuführen sind.

Wenn dies tatsächlich die Realität ist, wird mir immer unverständlicher, wie die Gesundheitsministerin die Entscheidung treffen konnte, dass mit dem Arzneimittel-Begrenzungsgesetz seit Samstag, 23. Februar 2002, Ärzte nur noch Wirkstoffe zu verordnen haben, zu denen die Apotheker dann das passende Präperat herausfinden sollen. Ich zweifle keineswegs die hohe Qualifikation unserer Apotheker an, aber ich sehe hierin keinen positiven Ansatz, in der Zukunft Gesundheitsschäden und Todesfälle zu vermeiden. Ob dadurch 250 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden ist nach Expertenaussagen fraglich.

Nach meinen bisherigen Informationen soll der Apotheker ein wirkstoffgleiches Präparat aus dem unteren Preisdrittel heraussuchen. Allerdings ist dabei das "untere Preisdrittel" noch gar nicht exakt definiert. Wenn diese Änderung der medizinischen Versorgung der GKV wirtschaftlich Vorteile bringt, wird die PKV nicht zögern, ebenfalls in den Genuss finanzieller Ersparnisse zu bekommen. Damit stellt sich für uns Hp die Frage, wie wird sich die neue Regelung auf unsere Rezepturen auswirken. Bisher konnte ich darauf noch keine Antwort bekommen. Noch herrscht Ratlosigkeit. Entfallen dadurch für uns weitere wichtige Arzneimittel? Was ist mit Komplexmitteln? Oder werden unsere Verordnungen wie bisher akzeptiert?

Viele Fragen tun sich auf, für die es noch keine klare Antwort gibt. Man muss bei der Konzeptlosigkeit der Hp-Berufsstandvertreter und der Gesundheitssministerin sogar davon ausgehen, dass es bis zur Wahl auch keine Antworten geben wird. Der Eindruck verdichtet sich immer mehr, dass Frau Schmidt bei ihrer Ernennung lediglich den Auftrag erhalten hat, bis zur Stimmabgabe am 22.9.2002 den Status-quo zu konservieren, aber keine Probleme mehr zu diskutieren, geschweige denn zu lösen.

Geht man von diesem Tatbestand aus, wird sich tatsächlich in dieser Legislaturperiode nichts mehr ändern oder zum Positiven bewegen.

Also ist der Wähler gefragt, hier eine Entscheidung zu treffen. Alle vier Jahre findet er ein einmaliges Gehör. Darum sollten Sie, liebe Leser, vor der Wahl die Kandidaten Ihres Wahlkreises gründlich befragen, wie sie es mit einer patientenfreundlichen Gesundheitspolitik halten. Wenn 80% der Bevölkerung eine sanfte Medizin mit Naturheilverfahren wünscht, sollten Sie sich informieren, wie Ihr Wahlkandidat darüber denkt, was er einer neuen Regierung empfehlen will und wie er sich eine patientenerträgliche Gesundheitsreform überhaupt vorstellt. Dabei wäre es ratsam, die Kandidaten gleichsam über die Aufgaben und eventuellen Möglichkeiten unseres Berufsstandes bei der Gesundheitspflege aufzuklären.

Alle bisherigen Reförmchen haben mit viel Hüh und Hott die Interessen der Ärzteschaft, der Krankenhäuser, der Pharmaindustrie, der Apotheker und der Krankenkassen berücksichtigt. Nur an den Patienten hat niemand gedacht, er ist bei allem auf der Strecke geblieben. Insbesondere für chronisch Kranke oder Schwerkranke ist die Versorgung immer dürftiger geworden. Verschreibungen werden ihnen verweigert oder Zuzahlungen verlangt. Notwendige Therapien werden ausgegrenzt. Offenbar leben wir inzwischen auch medizinisch in einer Zweiklassen-Gesellschaft nach dem Motto: "Wenn Du arm bist, musst Du früher sterben".

Soll das nicht so bleiben, haben Sie bei der Bundestagswahl die einmalige Gelegenheit mit zu entscheiden. Machen Sie Ihr Kreuz nur für patientenfreundliche Politiker, die Sie anschließend beim Wort nehmen können.