Täglich bringen die Medien neue Horrormeldungen aus dem Gesundheitswesen.
Der Normalbürger wird damit ständig in Panik versetzt und weiß mittlerweile
gar nicht mehr, wie es um seine Gesundheits- oder Krankenversorgung bestellt
ist.
Erst kürzlich war in "Spiegel" und "Focus" zu lesen, dass nur allzu häufig
die verordneten Arzneien erst wirklich krank machen. Nach diesen Meldungen
erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 22.000 Patienten an den Nebenwirkungen
allopathischer Medikamente. Dies besagt eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums,
die außerdem zu dem Ergebnis kommt, dass jährlich 12.000 bis 16.000 Todesfälle
darauf zurückzuführen sind.
Wenn dies tatsächlich die Realität ist, wird mir immer unverständlicher,
wie die Gesundheitsministerin die Entscheidung treffen konnte, dass mit dem
Arzneimittel-Begrenzungsgesetz seit Samstag, 23. Februar 2002, Ärzte nur
noch Wirkstoffe zu verordnen haben, zu denen die Apotheker dann das passende
Präperat herausfinden sollen. Ich zweifle keineswegs die hohe Qualifikation
unserer Apotheker an, aber ich sehe hierin keinen positiven Ansatz, in der Zukunft
Gesundheitsschäden und Todesfälle zu vermeiden. Ob dadurch 250 Millionen
Euro pro Jahr eingespart werden ist nach Expertenaussagen fraglich.
Nach meinen bisherigen Informationen soll der Apotheker ein wirkstoffgleiches
Präparat aus dem unteren Preisdrittel heraussuchen. Allerdings ist dabei
das "untere Preisdrittel" noch gar nicht exakt definiert. Wenn diese Änderung
der medizinischen Versorgung der GKV wirtschaftlich Vorteile bringt, wird die
PKV nicht zögern, ebenfalls in den Genuss finanzieller Ersparnisse zu bekommen.
Damit stellt sich für uns Hp die Frage, wie wird sich die neue Regelung auf
unsere Rezepturen auswirken. Bisher konnte ich darauf noch keine Antwort bekommen.
Noch herrscht Ratlosigkeit. Entfallen dadurch für uns weitere wichtige
Arzneimittel? Was ist mit Komplexmitteln? Oder werden unsere Verordnungen
wie bisher akzeptiert?
Viele Fragen tun sich auf, für die es noch keine klare Antwort gibt.
Man muss bei der Konzeptlosigkeit der Hp-Berufsstandvertreter und der
Gesundheitssministerin sogar davon ausgehen, dass es bis zur Wahl
auch keine Antworten geben wird. Der Eindruck
verdichtet sich immer mehr, dass Frau Schmidt bei ihrer Ernennung
lediglich den Auftrag erhalten hat, bis zur Stimmabgabe
am 22.9.2002 den Status-quo zu konservieren, aber keine Probleme
mehr zu diskutieren, geschweige denn zu lösen.
Geht man von diesem Tatbestand aus, wird sich tatsächlich in dieser
Legislaturperiode nichts mehr ändern oder zum Positiven bewegen.
Also ist der Wähler gefragt, hier eine Entscheidung zu treffen. Alle
vier Jahre findet er ein einmaliges Gehör. Darum sollten Sie, liebe Leser,
vor der Wahl die Kandidaten Ihres Wahlkreises gründlich befragen, wie
sie es mit einer patientenfreundlichen Gesundheitspolitik halten.
Wenn 80% der Bevölkerung eine sanfte Medizin mit Naturheilverfahren wünscht,
sollten Sie sich informieren, wie Ihr Wahlkandidat darüber denkt, was er
einer neuen Regierung empfehlen will und wie er sich eine patientenerträgliche
Gesundheitsreform überhaupt vorstellt.
Dabei wäre es ratsam, die Kandidaten gleichsam über die Aufgaben und
eventuellen Möglichkeiten unseres Berufsstandes bei der Gesundheitspflege
aufzuklären.
Alle bisherigen Reförmchen haben mit viel Hüh und Hott die Interessen
der Ärzteschaft, der Krankenhäuser, der Pharmaindustrie, der Apotheker
und der Krankenkassen berücksichtigt. Nur an den Patienten
hat niemand gedacht, er ist bei allem auf der Strecke geblieben.
Insbesondere für chronisch Kranke oder Schwerkranke ist die Versorgung
immer dürftiger geworden. Verschreibungen werden ihnen verweigert
oder Zuzahlungen verlangt. Notwendige Therapien werden ausgegrenzt.
Offenbar leben wir inzwischen auch medizinisch in einer Zweiklassen-Gesellschaft nach dem Motto: "Wenn Du arm bist, musst Du früher sterben".
Soll das nicht so bleiben, haben Sie bei der Bundestagswahl die einmalige
Gelegenheit mit zu entscheiden. Machen Sie Ihr Kreuz nur für patientenfreundliche
Politiker, die Sie anschließend beim Wort nehmen können.